• Ich (vor-)freue mich also wie Bolle darauf, demnächst einen Grande Reserva Colheita 2012 entploppen zu dürfen. Ich habe gerade nachgeschaut was die Revista de Vinhos über den Wein zu berichten weiß und freue mich angesichts der hohen Bewertung (17,5(!) Pkt.) und der vielverheißenden Nota de Prova nun doppelt: 1836 Alicante Bouschet Companhia das Lezírias

Das wichtigste zuerst: Das Schwergewicht (25 EUR/Flasche) hat gehalten was es versprochen hat. Komplex, dicht, elegante Fruchtnoten und gottseidank nur dezente Eiche. Wichtig: Direkt nach dem öffnen offenbart sich in der Nase eine Alkoholnote, die durch Dekantieren und 20 Minuten "atmen lassen" verschwindet.

Nicht vergessen: Wir sprechen hier über einen jungen Jahrgang (mit unzweifelhaft großem Lagerpotential). Ein "starker" Tinto der wunderbar mit geschmacklich kräftigen Begleitern wie einem französischen Asche-/Höhlenkäse Fromage Morbier oder sogar einem Roquefort mithalten kann.


Es wird Zeit über die Companhia das Lezírias zu berichten. Bedeutend genug ist der bereits 1836 (!) gegründete Agrarbetrieb ja. Es gibt viele Standbeine neben dem Weinanbau: Ackerbau (z.B. Reis), Viehwirtschaft (z.B. Carne de Bovino), Forstwirtschaft (z.B. Kork), Olivenöl etc. Man betreibt ein Lusitano-Gestüt, ein Restaurant und seit einiger Zeit mit EVOA sogar eine Vogel-Beobachtungsstation im nördlich von Alcochete gelegenen Naturschutzgebiet (Reserva Natural do Estuário do Tejo), dass zu den zehn bedeutendsten Feuchtgebieten Europas zählt.

 

An der Verbindungsstraße (N118) zwischen Alcochete und Porto Alto liegt die Herdade de Catapereiro, dort findet man auch den stylish eingerichteten Direktverkauf (Loja) der Companhia.


Wo wir denn mal gerade beim Thema "CL" sind: "Lezírias em boa Companhia" wortspielte die Revista de Vinhos in ihrer Mai 2014 Ausgabe, als sie die neue "Mittelklasse" des größten Landwirtschaftsguts Portugals vorstellte. Es ging nicht nur um Wein, sondern auch über das Verhältnis zur Natur, Nachhaltigkeit usw.

 

Die DO Tejo-Weine der Companhia gliedern sich in die drei Kategorien:

  • Herdade de Catapereiro
  • Tyto Alba
  • Companhia das Lezírias Reserva

Die Weine unter dem Label Tyto Alba (Coruja-das-torres, Schleiereule) kosten vor Ort in Portugal 5,20 EUR der Weiße und 6,20 EUR der Rote.

 

Tyto Alba Branco 2013: Aus Fernão Pires mit 10 % Verdelho (6600 Flaschen), 4 Monate in neuen Fässern aus frz. Eiche.

Tyto Alba Tinto 2011: Touriga Nacional, Touriga Franca und Alicante Bouschet (20.000 Flaschen). 12 Monate in Eiche.  


Die DO Tejo-Weine der Companhia gliedern sich in die drei Kategorien: 

  • Herdade de Catapereiro
  • Tyto Alba
  • Companhia das Lezírias Reserva

Und letzterer (egal ob unter dem "alten" Önologen Frederico Falcão oder unter dessen Nachfolger Bernado Cabral ist ein Goodie, von dem ich stets bereut habe, mir nicht mehr und nachhaltiger "auf Stock" gelegt zu haben ...

Der 2010er ist ein (für 11 EUR erhältlicher, aber) "nach mehr" schmeckender Blend aus Touriga Nacional und Alicante Bouschet


  • Hmmm, ich glaube es wird Zeit, einmal Nägel mit Köpfen zu machen und bei Olena, der charmanten Ukrainerin, ein Besuch des Weinguts zu vereinbaren ...

Olena war so nett mich auch ohne große Voranmeldung mit auf die Tour durch die Herdade zu nehmen. Wir einigten uns, dass die Führung auf Portugiesisch gehalten wird - Russisch, Englisch und gebrochen Deutsch sind für Olena auch kein Problem. Nach der ausführlichen Darstellung der Historie des landwirtschaftlichen Schwergewichts und Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit (ABC 2020 => mehr Ambiente, mehr Biodiversidade und weniger Carbono) ging es direkt in die angrenzenden Rebgärten ...

Stattliche 130 ha, bestockt mit ..., ach, seht selbst ...

Die leicht mineralische (salzige) Note, untypisch für den Boden und die Region, verdanken die Weine dem Standort nah an der Tejo-Mündung.

 

Aber Companhia das Lezírias, das ist nicht nur Wein: Das sind mehrere 1000 ha landwirtschaftlich genutztes Gebiet, 320 ha Reis, 330 ha Mais, 71 ha Olivenbäume (Olivenöl), Forstwirtschaft (Korkeichen etc.), Rinderzucht, ein Gestüt (die Coudelaria) mit Restaurant, Wein-Tastings, Agro-Turismo (Bungalows), eine angeschlossene Vogelbeobachtungsstation inmitten eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas.

Ab er zurück zum Wein: Die Weinberge stehen längs des oben erwähnten Naturschutzgebiets, des Reserva Natural do Estuário do Tejo, eingesäumt von Kiefer- und Eukalyptusbäumen, "beschützt" von der Turmeule, dem Wahrzeichen der gehobenen Weiß- und Rotweinserie.

Im Weinkeller Inox-Tanks für z.B. die Catapereiro-Linie sowie franz. und amerikanische Eich für den"Tyto Alba" ...

Ein Vogelhäuschen als Weinverpackung - bzw. umgekehrt. Geht das? Geht! Geht bei der Companhia das Lezírias ..

Was gibt Neues? "Bubbles", Merlot ..


Was gibt es noch? Einen Hammer- Rosé, den Tyto Alba Rosé 2016, sehr fruchtig, Erdbeeraromen in der Nase und am Gaumen, dabei schön trocken ausgebaut mit ausreichend Restzucker um einen ausgewogenen Sommerwein ins Glas zu zaubern.


Tyto Alba Branco 2015, grün-gelb im Glas, leichte Limettenaromen. Eine schöne spritzige Säure, die er von der Fernão Pires hat, dabei ein schöner Schmelz. Am Gaumen Pfirsich- und Stachelbeeraromen. Zwei Monate in neuer, französischer Eiche verleihen dem Wein eine runde Eleganz. Guter Wein zu einem attraktiven Preis.


In der April 2016-Ausgabe der Revista de Vinhos wird der Rebsortenwein Tyto Alba Touriga Nacional 2012 im Rahmen eines großen Touriga-Specials (Titelthema) nicht nur hoch bewertet sondern gleich noch mit einer Best Buy-Empfehlung ausgezeichnet ...


Einen echten Knaller für meinen Gaumen und etwas gaaaanz besonders habe ich eigentlich mehr aus Zufall zuerst im Schmackofatzo-Laden Original Wine & Olive in Alcochete gefunden: Eine Arinto-Spätlese (Colheita Tardia) der Companhia das Lezirias ...

50 cl kosten bei der CL im Direktverkauf 12,90 EUR/Flasche und es erwarten einen am Gaumen Honigmelone und Orangenschalen sowie dezent Vanillenoten vom Ausbau in französischer Eiche. Eine angenehme Süße hat die Spätlese vorne heraus, aber niemals "undifferenziert-matschig-süß", kurz darauf übernimmt die Arinto mit ihrer frischen Säure das geschmackliche Zepter und der Wein offenbart im Nachgeschmack eine wunderbare Leichtigkeit/Frische.

Und das bei leichten 11 % Vol. Ich habe mir zwei Fläschchen mit nach D genommen und freue mich jetzt bereits darauf, zum Abschluss eines langen BBQ, mit dieser Spätlese einmal anstelle eines Portweins meine Gäste "absackermäßig" verwöhnen zu dürfen ...


Eine echte "Duftbombe" dieser junge Tyto Alba Sauvignon Blanc 2015. Fruchtig, ausbalanciert. Sehr elegant.


Die Companhia das Lezírias hat mit dem Catapereiro Escolha Tinto 2011 einen echten Alicante Bouschet-Kracher aufgelegt. Als Blend mit der Aragonês, 6 Monate in französischer Eiche ausgebaut, rubinrot, Kirschnoten, runde Tanine. Ein klasse Wein in der Tradition meiner Lieblinge der Companhia: Companhia das Lezírias Alicante Bouschet 2005, Patriarcal Superior 2007, Companhia das Lezírias Reserva 2008 (alle drei leider ausverkauft).


  • Zitat: Und letzterer (egal ob unter dem "alten" Önologen Frederico Falcão oder unter dessen Nachfolger Bernado Cabral) ist ein Goodie, von dem ich stets bereut habe, mir nicht mehr und nachhaltiger "auf Stock" gelegt zu haben 

 

Der 2007er ist ein Blend aus Touriga Nacional und Cabernet Sauvignon. 10 Monate im Barrique. Einst 11 EUR im Direktverkauf. Tja: Over and out - das war mein letztes Fläschchen  von den Reservas die noch Frederico Falcão für die CL gemacht hat, bevor er 2012 zum Präsidenten des IVV wurde. In dieser Funktion ist er der wichtigste Mann der portugiesischen Weinwirtschaft (naja, gemeinsam mit dem Staatssekretär im Agrarministerium). In seiner Funktion als Önologe bei der CL wurde er meiner Meinung nach nahtlos von Bernado Cabral beerbt, der ja ebenfalls zu der "neuen Welle" portugiesischer Weinmacher zählt.


Alte Reservas und junge Rosés - Bernado Cabral beweist mit dem neuen Jahrgang Tyto Alba Rosé 2017, dass er ein echtes Händchen für Roséweine hat. Wieder ein lecker Sommerwein mit Substanz!

 


Nach den "jungen Dingern" hier ein "älteres Semester": Patriarcal Tinto 2007 der Companhia das Lezírias . Aus den  Rebsorten Touriga Nacional und Cabernet Sauvignon, kostet 10,50 EUR und hatte mich sehr angesprochen.

  • Aspecto Visual: Aspecto límpido, cor granada muito intensa
  • Aspecto Olfactivo: Aroma limpo, complexo, com notas de fruta madura, vegetal seco, compota e aromas tostados da madeira
  • Aspecto Gustativo: Rico, muito encorpado, com um excelente equilíbrio e uma rica estrutura de taninos

Tyto Alba Moscatel Galego 2017 | Edição limitada 

Die Bukettsorte schlechthin. Sortenrein ausgebauter Weißwein. Spontanvergoren mit Naturhefen. 6 Monate auf feinen Trub gereift. Ideal für die Terrasse dank der leichten Zitrusaromen, die den Kontrast zu den Aprikose- und Orangenschalen-Aromen bilden, so das der Wein schön frisch rüberkommt. Alternativ: Zu fettem Fisch reichen. 12,50 % Vol. Kostet knapp unter 10 EUR.


Silvester 2018 habe ich mit Camarões (Garnelen) eingeleitet. Angeschwitzt mit Knoblauch und Chilischoten. Das passende Getränk zum Jahreswechsel? 

 

1836 Bruto 2016 Espumante 

Ein aus der spritzigen Rebsorte Arinto versekteter Schaumwein, der mit knackiger Grundwein-Frische für das leichte, vibrierende Vergnügen sorgt. 

Das (schmackhafte) Ergebnis ... 


Über mich ...

 

Weinliebhaber mit engem Bezug zu Portugal. Beruflich habe ich keine Berührungspunkte mit dem Wein-Business.  Insofern schreibe ich unabhängig über  portugiesische Weine als reine Liebhaberei. 

Anregungen, Fragen? Gerne: frank@vinhoportugal.de

 

 

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