Quinta do Portal | Sabrosa


Diesmal beginne ich meinen Bericht über ein Weingutsbesuch andersrum. Will heißen: Ich starte mit der Nachverkostung. Zuerst ins Rampenlicht muss deshalb  Weißwein der Quinta do Portal (Familienweingut vom Douro mit insgesamt 104 ha)  aus der "Unlocked"-Serie, die naturnah, will heißen mit so wenig Eingriff wie nötig erzeugt wird um die Charakteristik  und Identität der Rebsorte und des Weinbergs bestmöglich zu präsentieren. Der Branco in limitierter Auflage (nur 1333 Flaschen wurden erzeugt) stammt von den in hochgelegenen Parzellen der Quinta do Confradeiro.

Malvasia Fina Douro DOC 2015

Malvasia Fina - eine Rebsorte typisch für die Weiregion Dão. Am Douro ist die Rebe durchaus auch verbreitet, aber eigentlich ausschließlich als Verschnittrebe für Cuvées. Rebsortenrein? 100%? Wow, tolle Cremigkeit und Frische (Höhenlage!). Der Wein zeigt wunderbar was die Rebsorte kann. Kostenpunkt: 15 EUR/Flasche. Der Fachzeitschrift VINHO - Grande Escolha war er 17 Punkte wert. Unterschreibe ich gerne. Klasse!

 


104 ha Weinberge im Cima Corgo, dazu Olivenbäume für das eigene Olivenöl. Die Weinberge (Quinta dos Muros, Quinta da Abelheira, Quinta do Portal und Quinta do Confradeiro) von Quinta do Portal verteilen sich auf Höhenlagen von 200m bis 550m üNN. Die Weinberge sind mit den "üblichen Verdächtigen" Rebsorten der Region für die Port- und Stillweinproduktion bestockt. Touriga Nacional, Tinta Roriz, Touriga Franca und Tinta Barroca bei den roten und Rabigato, Gouveio, Viosinho und Moscatel bei den weißen Rebsorten.

Mitten im kurvigem Nirgendwo große Architektur vom pritzkerpreisgekrönten Stararchitekten Álvaro Siza Vieira? In Portugal kein Problem! Álvaro Siza gestaltet das Gebäude zweistöckig, wobei das Untergeschoss (Fasslager) fast vollständig unter dem Niveau des umliegenden Gelände liegt. Im EG unterteilt teilweise ein eingeschobenes Mezzanin das Vollgeschoss, das überwiegend für die Lagerung der Portweine benutzt wird. Auf dem Dach findet sich das emblematisch-geschwungene Staffelgeschoss samt Dachgarten. Eine Staffelgeschoss plus Dachbegrünung finden sich auch in den Entwürfen des Architekten für die Adega Mayor.

Für die Fassadenverkleidung wurde ein Mix aus Kork und Schiefer gewählt, so dass sich das mächtige Gebäude harmonisch in die Landschaft fügt. Die TGA-Planer (Technische Gebäudeausrüstung) legten das Bauwerk auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit aus. Die Tragwerksplanung kam von renommierten Ingenieurbüro GOP.  Der Entwurf wurde mit dem Douro Architecture Prize 2011 ausgezeichnet. Gesamtprojektentwicklung: 2001 - 2010.

Unmittelbar angeschlossen gehört zum Weingut ein Boutique-Hotel (bestehend aus dem Casa das Pipas mit 12 Zimmern und dem Casa do Lagar (vier Zimmer in einer ehemaligen Ölmühle)) und ein Restaurant.

Die kleine Besuchsgruppe, in die ich mich einreihen durfte, besichtige auf zwei Stockwerken das Fasslager bombastischen Ausmaßes. Wir bekamen die Douro-typischen Fassarten für die Tisch- und Portweinproduktion erklärt. "Wie viel Liter lagern hier insgesamt?" Unser charmante Führung zuckte ratlos mit den Schultern. Falls ich etwas über die produzierten Volumina wissen möchte: "Rund eine Millionen Flaschen seien es jährlich!" Puh, Hausnummer!

Zurück im Verköstigungs- und Verkaufsraum ging es ans "Tasting" der Weine/Portweine.

 

Quinta do Portal Moscatel Galego Branco 2017

In Edelstahltank ausgebaut, rebsortentyische Duftbombe, fruchtig, mit eine schönen Säure

 

Quinta do Portal - Tinta Barroca 2016

Fruchtbombe mit Struktur und strammen aber runden Tanninen und einer erdigen, würzigen Komponente. 6 Monate in Eiche. Junger Jahrgang, bereits jetzt ein Hammer! 

 

Quinta do Portal Reserva Tinto 2015

Touriga Nacional (45 %), Tinta Toriz (40 %), Touriga Franca (15 %) - Schöne, präsente Tannine. Kirsche, Beeren, Gewürze. Klasse Roter, aber in der "Tasting-Choreographie" hätte er vor dem Tinta Barroca serviert werden sollen, da er gegen diesen leicht abfällt. Trotzdem ein Top-Repräsentant der Region.


Portal - Tinta Barroca 2016

Auch in der Nachverköstigung: Geiles Stöffchen, dicht, die volle Attacke Brombeeren und schwarze Johannisbeeren. Sehr sanfte Tannine und erdige Noten. Letzteres ist rebsortentypisch für die Tinta Barroca (einer Kreuzung der Sorten "Marufo"  und "Touriga Nacional"), die in der Region sehr viel als Verschnitttraube für Douro- und Portweine eingesetzt wird, aber eher selten - wie in diesem Fall - als "Monocasta" (100% Tinta Barroca).

Der junge Wein zeigt sich mit einem kräftigen Violett im Glas. Trotz seines jungen Alters bereits ein echter Bolide, sehr alkohollastig mit 15,5 % Vol.(!!!). 19,40 EUR/Flasche im Direktverkauf. Bei geführten Temperaturen im Edelstahltank vergoren und lediglich 3 Monate in gebrauchten französischer Eiche ausgebaut. Toll, was die rigorose Ertragsreduzierung auf 4,5 to/ha aus der Traube rausholt.  


Über mich ...

 

Weinliebhaber mit engem Bezug zu Portugal. Beruflich habe ich keine Berührungspunkte mit dem Wein-Business.  Insofern schreibe ich unabhängig über  portugiesische Weine als reine Liebhaberei. Anregungen, Fragen? Gerne: frank@vinhoportugal.de

 

 

Alles über die Vielfalt der portugiesischen Weine auf www.vinhoportugal.de oder im Rahmen der größten deutschsprachigen Community rund um das Thema "Portugal" auf www.portugalforum.org