QUINTA DA FURADA | ERVEDOSA DO DOURO

Von dem Abzweig der, kurz vor Ervedosa de Douro, von der Nationalstraße N222 aus ins Hinterland führt, sind es eigentlich nur noch 7 - 8 Minuten zur Quinta da Furada, wo ich mit dem Weinmacher Duarte Alegre verabredet war. Biegt man mittendrin falsch ab, werden es schnell 20 Minuten oder mehr. Der Winzer hat es mit Humor genommen. Man ist jedenfalls mittendrin, in der terrassierten Hügellandschaft, die die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt hat ...

Duarte hat mit mir Mitte 2021 Kontakt aufgenommen und ich bin schnell auf seine "Vinhas Velhas", seine alten Rebstöcke, aufmerksam und neugierig geworden. Knorrige, rustikale Rebstöcke, die den Namen "Alt" auch wirklich verdienen, wie ich mich bei dem gemeinsamen Spaziergang durch seine Weinberge überzeugen konnte.

Die Böden der Quinta, die seit sieben Generationen in Familienbesitz ist, bestehen überwiegend aus dem für das Dourotal  typischen Schiefergestein und etwas Granit ist ebenfalls dabei. Auf einigen der sehr alten Parzellen stehen noch Reben auf wurzelechten Unterlagen (Pé Franco), andere Plots wurden neu angelegt, rekultiviert mit alten Sorten.

Unser Spaziergang führte uns zu einem alten Hochstand, den Duartes Urgoßvater einst zum Verweilen und Lesen genutzt hat. Von dort wird man mit einem herrlichen Ausblick auf das Dourotal und Pinhão bzw. die Weinberge der Nachbarquinta belohnt.

Ein Schwank: Duarte hat einmal Nachts Jäger erwischt, die auf dem Grundstück seines Weinguts verbotenerweise Wildschweine jagten. Seitdem habe er in der Gefriertruhe immer ausreichend Wild, schmunzelte der Winzer. Im Douro werden die Angelegenheiten untereinander geregelt, bleiben in der Region.

Am Ende des Spaziergang lud mich Duarte noch zu einer Fahrt mit dem Jeep auf die andere Talseite ein. Nur von hier aus gelangt man aus schwindelerregender Höhe hinab zu der tiefste Stelle im Tal, wo die ältesten Reben stehen, aber auch urige Olivenbäume, von denen einige einige hundert Jahre alt sind. Nicht nur Wein produziert die Quinta da Furada, sondern ebenfalls Olivenöl, Honig, getrocknete Feigen, Mandeln und Oliven. Alle Produkte werden auch in Porto (Ribeira do Porto, Rua de São Francisco Nr. 28)  im eigenen Geschäft namens "Loja Pata D'Urso" verkauft ...

Nach einen kurzen, aber intensiven Regenschauer erstrahlte die Sonne wieder über dem Douro-Tal ...


Tasting Notes

Pata D'Urso Rosé Vinhas Antigas 2019 - Farblich und stilistisch eher ein "Old-school-Rosé". Ein delikater, ansprechender Rosé dessen Trauben von alten Parzellen der Quinta da Furada stammen. 2019 war ein heißes, trockenes Jahr am Douro. Die Trauben wurden Mitte September handgelesen. Der Wein wird im Granitbecken vorvergoren und als Mostabzug von roten Trauben in französischen 600l-Eichefäßern durchgegoren und danach für weitere 6 Monate im Faß gelagert. 13 % Vol.

Der Rosé präsentiert florale, rotfruchtige Aromen und, trotz des heißen Sommers 2019, eine knackige Frische. Furztrocken. Elegant, gastronomisch. Der kann was! Kostenpunkt: 16 EUR/Flasche. Eigentlich ausverkauft, ich konnte noch eine Flasche bei Vinha in Portugal ergattern. Echt lecker!

Der 2020er kommt bald, allerdings auch wieder nur in einer Auflage von rund 1000 Flaschen.


Pata d'Urso Vinhas Antigas 2017 Tinto DOC Douro - Was für ein Knaller, dieser Tinto aus alten autochthonen Rebsorten: Rotfruchtig, würzig, im Granittank mit den Füßen gepresst, unglaublich rund und ausgewogen dank zweijährigem Ausbau in kleinen Eichefässern. Das Holz zeigt sich dezent eingebunden, niemals im Vordergrund, so dass der Rotwein delikat und komplex den Gaumen runterläuft. Fantastisch. 2017 war ein heißes Jahr am Douro, die Lese fand bereits Ende August statt, damit eine frischen Säure den harmonischen Gesamteindruck unterstützt! Überhaupt, hier ist nichts (wie leider oft am Douro) "überextrahiert", zu konzentriert. Im Gegenteil: Die leichte Nieepoort-Schule gepaart mit einem unglaublich guten Rebmaterial! Großes Kino, ganz großes Kino, leider war die Flasche zu schnell "allealle", und wie so oft: Leider geil, leider teuer (65 EUR/Flasche, bei einer kleinen Auflage von 2400 Flaschen).  Man könnt sich dran gewöhnen ... ;-)


Muito obrigado an den Weinmacher Duarte Alegre, der mir erlaubt hat mit einigen seiner Bilder zu illustrieren, was es bedeutet Weinbau auf alten Parzellen in der Douro-Region zu betreiben ...

© Duarte Alegre

© Duarte Alegre

© Duarte Alegre


Über mich ...

 

Weinliebhaber mit engem Bezug zu Portugal. Beruflich habe ich keine Berührungspunkte mit dem Wein-Business.  Insofern schreibe ich unabhängig über  portugiesische Weine als reine Liebhaberei. Anregungen, Fragen? Gerne: frank@vinhoportugal.de

 

 

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