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Weingläser | Warenfetisch nach Karl Marx


Warenfetisch nach Karl Marx: "das quasireligiöse dingliche Verhältnis zu Produkten, die Menschen (...) füreinander herstellen". Frauen sammeln Schuhe, ich habe dann wohl ein Weinglas-Fetisch.


SPIEGEL TV schaut hinter die Kulissen der modernen Glasproduktion und der alten Kunst der Glasbläserei: Wie entsteht ein Weinglas?


Für mich "close to perfection", die Bleiglasserie Vitis von Riedel. Ich habe mir Riesling- und Syrah-Gläser gegönnt. Die maschinengeblasenen Weingläser mit dem aus dem Kelch gezogenen, langen Stil sind ästhetisch und taktil eine wahre Freude - besonders die schlank-konkave Einbuchtung im Übergang zum Stil verleiht dem Glas seinen gestalterischen Pfiff. Praxistest? Bestanden!


An die zitierte Vitis-Serie von Riedel angelehnt, aber dezent bauchiger, nicht so langstielig und um mehr als ein drittel günstiger, sind bei Schott-Zwiesel überaus elegante Gläser der Finesse-Linie erhältlich 


Riedel, Schott Zwiesel, Spiegelau. Eine weiter Entdeckung ist der Traditionsbetrieb Stölzle Lausitz.

 

Ich habe mir die Weißweingläser der Quatrophil-Kollektion gegönnt, als preiswürdige (weil maschinell-gefertigte) Alternative zur mundgeblasenen Q1-Linie . Die Formgebung erinnert an eine Mischung aus dem Schott-Sortiment: Der markante Knick von Taste gepaart mit den sanften Linien von Finesse. Sehr schön.


Auch "schnöde" ISO-Degustiergläser habe ich noch im Schrank. Die Norm zum Glas: "ISO 3591:1977-06 - Titel (Deutsch): Sensorische Analyse (durch Geruch oder Geschmack); Geräte; Wein-Probierglas". 

 

Das Einbeziehen des Tastsinns beim Weingenuß? 

 

  • Also, ich weiß gut gemachte Gläser zu schätzen, wobei man nicht zu viel tschiiitschiii drum machen sollte. Einziges No-Go für mich: Gläser mit Stielen, an denen eine Naht stark tast- und spürbar ist! Brrrrr, geht gar nicht ... (wenn ich Wein richtig genieße bin ich im "Sensorik-Modus", da irritiert so etwas halt wie, sagen wir, ein schlecht gestochenes Piercing in einer erigierten Brustwarze

Erfahrungen, mehr quasierotisch als quasireligiös, die ich mit Mastersommelier Hendrik Thoma teile, wie ich zwischenzeitlich zu meiner großen Beruhigung feststellen durfte ... :-D

 



Klare Linien - skandinavisches Design: iittala aus Finnland. 


Während z.B. Riedel ja (gefühlt) für quasi jede Rebsorte eine eigene Linie auflegt, gibt es auch den umgekehrten Ansatz: Das Einglas-Konzept (One For All). Ein erfolgreicher Vertreter dieser Gattung ist das Gabriel-Glas aus der Schweiz ...

Es eignet sich für aromatische Weinsorten (weiß/rot) genauso wie für tanninbetonte Tintos. Die Breite am Kelchboden gewährleistet ausreichend Sauerstoffkontakt, der verjüngte Kelch unterstützt besonders die Aromenwahrnehmung der duftigen Sorten. Bei der mundgeblasenen Gold-Edition hat mich besonders die zarte Filigranität geflasht - und natürlich das unglaublich geringe Gewicht. Ich bin "hin-und-weg" vom Gabriel-Glas, aber auf nur einen Glastyp möchte und kann ich mich nicht beschränken. Nicht weil es andere Gläser besser können, sondern weil ich das "Experimentieren" mag, besonders im Kontext der Vielfalt portugiesischer Rebsorten und Weine.

 

Im Moment denke ich, ist mein "Cristaleira" bestens ausgerüstet - aber wer weiß schon, ob sich in Zukunft nicht doch ein Zalto oder Zieher einschleicht?



Über mich ...

 

Weinliebhaber mit engem Bezug zu Portugal. Beruflich habe ich keine Berührungspunkte mit dem Wein-Business.  Insofern schreibe ich unabhängig über  portugiesische Weine als reine Liebhaberei. 

Anregungen, Fragen? Gerne: frank@vinhoportugal.de

 

 

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